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Flug mit der NASA DC8 ab Ramstein - Fuel Sniffing Projekt 2018

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    • Flug mit der NASA DC8 ab Ramstein - Fuel Sniffing Projekt 2018

      Hallo zusammen.

      Wie der ein oder andere von euch schon weiß, hatte ich die Möglichkeit, eine der Fuel Sniffing Missionen der NASA DC8 ab Ramstein zu begleiten. Eingeladen wurde ich dazu von meinen NASA Kontakten, die mir 2017 bereits einen Mitflug in SOFIA ab Palmdale ermöglicht hatten.

      Ehrlich gesagt, war ich etwas skeptisch bezgl. Durchführung bzw. meiner Teilnahme - doch ich wurde nicht enttäuscht. Zwar hatten erst der Govt Shutdown und dann der zweitätige technische Ausfall der DC8 in Ramstein für Verzögerungen gesorgt, aber unterm Strich hat alles reibungslos funktioniert. Alle Beteiligten in Ramstein, aber auch die Crew der DC8 waren sehr freundlich und hilfsbereit, quasi alle Wünsche wurden erfüllt. Allerdings sei angemerkt, dass ausschließlich die am Projekt beteiligte DC8 und Airbus 320 fotografiert werden durften, alles andere war "tabu" (neben massig C17, einer Hand voll C5 und ein paar C130 waren das übrigens durch das WEF auch USAF mit je zwei B757 und zwei BBJ).

      Unter dem Projektnamen NDMAX ECLIF (NASA DLR MultiDisciplinary Airborne Experiment / Emission and Climate Impact of AlternativeFuel) wurden die DC8 N817NA der NASA und der Airbus 320 D-ATRA im Januar für knapp drei Wochen in Ramstein stationiert. Insgesamt waren acht sogenannte„Sniffing Missions“ mit einer Flugdauer von jeweils ca. sechs Stunden geplant. Im Rahmen dieser Flüge sollte die DC8 hinter dem DLR Airbus 320 auf verschiedenen Flughöhen folgen, um in unterschiedlichen Abständen, unterschiedlichen Flughöhen und bei variierender Geschwindigkeit die geplanten Emissionstests durchzuführen und möglichst viele Partikel aufzunehmen. Die Messgrößen waren Gasemission (zum Beispiel C02, KW und weitere), Kondensstreifen (Größe, Anzahl, etc), Partikel (wie Ruß und Aerosole) und meteorologische Parameter (zum Beispiel Wind, Luftdruck und Temperatur).

      Grundidee des Projekts sind neben Reduktion von Schadstoffen auch die Entwicklung von neuartigen Treibstoffen bis hin zu umweltverträglicher Triebwerkstechnologie (Verbrennungsform beispielsweise). Dies soll den Airlines langfristig klimaorientierte Operations ermöglichen. Flughöhe und Geschwindigkeiten wurden daher im Test den entsprechenden Erfahrungswerten aus der zivilen Passagierluftfahrt angepasst.

      Unser Flug führte uns an die Deutsche Nordseeküsten in den westlichen der beiden für die Projektdauer gesperrten Lufträume. Hier flogen wir etwa 4,5 Stunden stets in unmittelbarer Nähe zum A320 für die diversen Tests. Angefangen wurde mit einem kurzen "Flyby" auf ca. 25,000 Fuss zwecks Ausrichtung der Messinstrumente, geendet hat das ganze schließlich auf knapp 40,000 Fuß. Je nach Flughöhe waren die Emissionen des Fliegers voraus entweder feucht, trocken oder gar eisig. Genau im Kondensstreifen waren die Erschütterungen an Bord natürlich am größten, wir näherten uns dem A320 auf bis zu 3 Meilen. Während der Tests hat der A320 drei verschiedene Fuelsorten genutzt (Jet A1 und zwei Alternativkraftstoffmischungen).

      Nach ziemlich genau 6 Stunden und 17 Minuten sind wir schließlich wieder in Ramstein gelandet. Nach der Landung mussten wir noch ca. 20 Minuten auf dem Taxiway stehen bleiben, da die Instrumente geprüft werden und die Daten gesichert werden sollten. Erst im Anschluss ging es zur Parking Position, wo die Triebwerke einzeln runterfahren wurden.

      N817NA ist in einem technisch einwandfreien Zustand, wirkt trotz des Alters direkt modern. Ursprünglich wurde der Flieger vor knapp 50 Jahren an Alitalia geliefert, mittlerweile ist er in Palmdale beheimatet und weltweit für Forschungsprojekte im Einsatz. An Bord haben je nach Projekt bis zu 50 Personen Platz, wir waren auf dem Flug 38 (davon 10 Crew und 20 Wissenschaftler). Der Flieger verfügt über allerlei Spielereien und Sonderausrüstung, es gibt ausschließlich Business Class Sitze mit viel Beinfreiheit - allerdings keinerlei Catering, man muss sich seine Verpflegung selbst mitbringen. Das Cockpit ist noch das klassische Uhrencockpit und es wird mit drei Mann geflogen, aber es gibt natürlich auch technische Neuerungen wie Autopilot, TCAS, etc. Allerdings sind diese je nach Mission nur begrenzt nutzbar, zum Beispiel nicht für die Annäherungen an den Airbus.

      Das soll an Text an dieser Stelle reichen, hier erste Eindrücke eines tollen Tages...

      Auf dem Weg zum Takeoff in Ramstein hinter dem A320



      Cockpit im Flug



      Arbeitsplatz der Mission Director



      Klassisches Enginefoto



      FlyBy A320 vor Start des Sniffings



      A320 aus der Nähe



      Tragfläche



      und noch im Anflug auf Ramstein



      Weitere Aufnahmen erfolgen, sobald diese von der NASA und/oder DLR freigegeben sind - denn darauf sind Instrumente und Monitore mit Inhalten zu sehen.

      Mein Dank geht an alle Beteiligten inkl. NASA, DLR und Ramstein Airbase.

      Gruss

      Felix
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    • Guten Abend in die Runde.

      Nach Rücksprache mit der NASA in Amerika, die DC8 ist ja mittlerweile wieder in den USA, darf ich nun auch Innenaufnahmen veröffentlichen.

      Fangen wir an mit der "Passagierkabine". Diese ist im Vergleich zu einem "echten Verkehrsflugzeug" natürlich eher spärlich eingerichtet. Zum einen, da der Platz für die ganzen Messinstrumente gebraucht wird, zum anderen zwecks Einsparung von Gewicht.

      Das bedeutet automatisch auch, dass es deutlich lauter ist als in einem Passagierflugzeug - zum Beispiel durch das Fehlen einer richtigen Innenverkleidung. Stattdessen liegen Kabel am Boden, im vorderen Teil bis etwa Höhe der Tragflächen sind verschiedene Messstationen/Geräte, sogar ein Emergency Exit Overwing war für diese Mission versperrt. Die Overhead Locker existieren nur bei manchen Reihen und sind mit Namen versehen - damit jeder Wissenschaftler einen solchen in der Nähe seines Arbeitsplatz geblockt hat.

      Die Sitze sind sehr bequem und die Bestuhlung ist maximal zwei zu zwei. Es handelt sich um quasi Business Class Sessel mit einem sehr grosszügigen Abstand. Wirken etwas altmodisch, aber für längere Missionen echt angenehm. Wie bereits erwähnt, sind je nach Mission bis maximal 50 Sitze an Bord. Diese können problemlos ein/ausgebaut werden je nach Bedarf. Onboard Entertainment gibt es natürlich nicht.

      Im hinteren Teil befinden sich zwei Sanitärräume, eine Mikrowelle und ein Wassertank für Tee/Kaffee. Catering gibt es nicht, muss man sich selber mitbringen. An Speisen ist fast alles erlaubt, Getränke dürfen auf Grund der elektrischen Messgeräte etc. nur in verschliessbaren Bechern und Flaschen mitgebracht werden. Alkohol ist genau wie Rauchen absolut tabu.

      Etwas "unangenehm" ist die Tatsache, wie auch schon bei SOFIA, dass auf Grund der HighTech Einrichtungen an Bord die Kabinentemperatur auf konstant niedrigem Niveau gehalten wird. Das dient natürlich dem Schutz vor Überhitzen der Instrumente, ist aber auf Dauer eher unangenehm. Immerhin war es diesmal nicht (wie bei Sofia) ein Nachtflug...

      Hier ein paar Bilder :

      vorderer Kabinenbereich



      Hinterer Kabinenbereich



      "Kochecke" (aufgenommen am Boden vor Abflug, siehe Galaxy links)



      Messungen an Bord durch die Wissenschaftler während des Fluges





      Einzelheiten zur Route und Formation mit D-ATRA





      Und für Liebhaber nochmal das Cockpit :







      Das ist doch echt noch ein gutes altes Uhrencockpit :)

      In diesem Sinne bis demnächst, das soll es erst mal gewesen sein...

      Gruss

      Felix