Andalusien im September 2016

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    • Andalusien im September 2016

      Moin, moin!

      Man stelle sich einen Staffelläufer vor, der verzögert startet, alsbald Seitenstechen bekommt, einen Krampf im Bein hat und kurz vor der Übergabe noch fast den Staffelstab fallen lässt. Was klingt, wie eine gewöhnliche Sportstunde aus jenem Halbjahr, als ich mich in den Ausdauer-Kurs verirrt hatte, um Rhythmische Sportgymnastik zu vermeiden, steht sinnbildlich ganz hervorragend für die Vorbereitungen der Silberhochzeitsreise meiner Eltern. Zur Feier des Tages durfte ich dieser Reise nach Andalusien beiwohnen. Doch noch nie stand eine Reise so oft auf der Kippe wie in diesem Jahr.

      Es begann schon damit, dass ich bei der Buchung hinten über fiel und es endete in einem kilometerlangem Stau vor dem Elbtunnel, weil irgendein Trucker-Mampfred nachts um halb drei die Höhenkontrolle ausgelöst hatte. So standen wir über eine Stunde auf der A7. Vorausschauend, wie meine Heimleitung so ist, waren wir zwar rechtzeitig losgefahren, doch die Zeitreserve schrumpfte auch in Anbetracht dessen, dass meine Eltern bei ihrem Reiseveranstalter nicht online Einchecken konnten. Der Gedanke an zusammenhängende Sitzplätze war längst verflogen, denn langsam wurde unklar, ob wir unseren Flug um sieben überhaupt bekommen würden. Es war daher unser Glück, dass der Flughafen für große Verzögerungen beim Check-In sorgte, sodass die Hälfte der Passagiere noch wartete, als eigentlich schon das Boarding beginnen sollte. So wurden wir dann letztlich durch die Fast-Lane gejagt, um unser Busgate am Rande der Pier zu erreichen…

      Danach ging es jedoch steil aufwärts. Eine ebenso freundliche, wie gutaussehende Crew hatte den Brussels Airlines A319 (OO-SSL) schon auf eine muckelige Wohlfühltemperatur vorgewärmt, nachdem er am Vorabend als Nightstopper reingekommen war. Die Instandhaltung der Piste 23/05 bescherte mir dann meinen ersten 15-Start. Dank der Verspätung, präsentierte sich die Stadt nun in einer schönen Morgenstimmung.







      Nach rund einer Stunde Flugzeit befanden wir und über dem ländlichen Belgien im Landeanflug.





      Der Purser führte schließlich seine Abschiedsansage auf Deutsch, Englisch, Niederländisch und Französisch durch. Auch im Terminal A von BRU, so lautet der IATA-Code, herrschte ein absolutes Sprachgewirr. Rund vier Stunden mussten wir dort auf unseren Anschlussflug nach Jerez de la Frontera warten. Zwar bieten Condor und mittlerweile auch Eurowings Direktflüge an, doch war dieses Kontingent bereits Anfang des Jahres erschöpft. Andererseits hätten wir den Condorflug um sechs Uhr wegen des Staus mit Sicherheit verpasst. Isn't it ironic?

      Ein paar Stullen später warteten wir vor dem leuchtend roten Airbus, der mit seiner Sonderlackierung für die belgische Fußballnationalmannschaft wirbt, die Red Devils (OO-SNA). Das Design setzt sich auch in der Kabine fort, wo auf den Overhead Bins zahlreiche Fußballspieler samt Unterschrift abgebildet sind. Ob man damit den katastrophal engen Sitzabstand im hinteren Teil kaschieren wollte? Ich war zumindest froh, dass wir überpünktlich in Jerez landeten. Der IATA-Code XRY weist im Übrigen schon auf das wichtigste Exportgut der Stadt hin: den Sherry. Es stellt dabei eine Mischung aus dem alten griechischen Namen der Region und des Weins "Xeres" und dem maurischen Namen Sheresh dar, woraus die Engländer für den weltweiten Handel "Sherry" machten.





      Für gewöhnlich bin ich der Einzige, der auf Reisen Fotos vom Flugzeug macht. Aber in diesem besonderen Fall habe ich die Rechnung ohne die begeisterten Belgier gemacht, die nicht nur die Kabine fotografierten, sondern auch das Flugzeug. Fast jeder blieb mir im Bild stehen. Die Ramp Agents nahmen es zum Glück gelassen und ließen alle gewähren. Aber es gab ansonsten auch nicht viel zu tun, denn abgesehen vom SN-Airbus standen nur ein paar abgestellte Bussinessjets auf dem Vorfeld. So konnten wir nach dem kurzen Spaziergang zur Ankunftshalle auch gleich unsere Koffer entgegen nehmen.



      Unser Hotel "Fuerte Costa Luz" lag südlich von Cádiz in der kleinen Stadt Conil de la Frontera. Das Hotel ist sehr empfehlenswert und bestach vor allem durch die netten Mitarbeiter an der Rezeption und im Restaurant. Gerade Letztere bauten uns mehrmals ohne zu zögern einen Tisch für drei Personen zusammen, wenn es nur noch vereinzelte Zweier-Plätze gab. Auch das Essen war ausgezeichnet, wobei mich besonders das vielfältige Vorspeisenbuffet beeindruckt hat. Ich könnte einen ganzen Beitrag allein über das Essen schreiben...

      Conil de la Frontera hat eine lange Geschichte, die bis 1500 v. Chr. zurückreicht, als sich die Phönizier dort niederließen. Heute ist der Küstenort touristisch geprägt. Dennoch darf man sich das nicht vorstellen, wie in den Touristenhochburgen auf den Balearen oder den Kanaren, wo viele Ortszentren extra für die Touristen gebaut wurden. Stattdessen verfügt Conil über eine schöne Altstadt mit vielen kleinen Geschäften, wo es Schmuck, Kleidung und Restaurants gibt, wo auch die Spanier hingehen. Ein Grund, warum es an der Costa de la Luz nicht so künstlich wirkt, wie in anderen Touristenregionen, ist die relativ junge Tourismusvergangenheit. Bis 1992 gab es an der Costa de la Luz überwiegend nationalen Tourismus. Mit der Expo in Sevilla im selben Jahr begann sich das langsam zu ändern.







      Was wir dann beim Schlendern durch die Gassen Conils entdeckten, ist kaum in Torte zu fassen (Wortwitz: check). Canela & Miel ist ein kleines, stylisches Café, wo es ganz herrliche Törtchen gibt. Meine Schokoladen-Angelegenheit war nicht zu süß und nicht zu schwer. Deswegen gab es auch keine Inkompatibilität mit dem abendlichen Nachtischbuffet im Hotel - die (imaginäre) Strandfigur war zu keinem Zeitpunkt in Gefahr. Doch auch im Hotel wurde auf übertrieben bunte und süße Torten und Puddings verzichtet.









      Unser erster Ausflug mit dem Mietwagen führte uns nach Vejer de la Frontera. Diese Kleinstadt liegt auf einem Hügel und gefiel mir mit am besten. Vom Parkplatz bei der Touristinformation war es nur ein kurzer Spaziergang, ehe man die Altstadt erreichte, die vollständig von einer Stadtmauer umgeben ist. Sieht man von einzelnen geführten Gruppen ab, war die Altstadt recht leer, sodass man sie ganz entspannt erkunden konnte. Sicherlich trug aber auch die Siesta dazu bei, die gerade in den ländlichen Gebieten weiterhin strikt zwischen 14 Uhr und 17 Uhr eingehalten wird. In dieser Zeit schließen sämtliche Geschäfte, was man bei Ausflügen immer bedenken sollte. Andererseits fühlte sich der Bummel durch die leeren Altstadtstraßen dadurch wie eine kleine Zeitreise an.















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      Viele Grüße, Sören
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    • Cádiz...was soll ich dazu sagen? Cádiz ist eine der ältesten Städte Westeuropas und ihre malerische Altstadt wird überall angeteasert. Nun, es mag sein, dass mich die Anfahrt durch die altbackenen Hochhausschluchten etwas aus der Stimmung gebracht hat. Oder waren es doch die Temperaturen? 30 Grad, blauer Himmel, aber kein Wind sind vielleicht nicht die idealen Voraussetzungen für eine Städtetour. Doch wie man es auch dreht, die Stadt hat mich nicht begeistert.

      Klar, die Altstadt ist groß und bisweilen stehen da eindrucksvolle alte Bauten aus dem 18. Jahrhundert - der Glanzzeit von Cádiz. Aber diese Menschenmassen, die sich durch die schmalen Gassen drängen, sind nicht mein Fall. Dort, wo es leerer war, roch es nach Kloake und man musste den Tretminen ausweichen. Zudem waren die Geschäfte abseits des Mainstreams ebenso dunkel, wie diese Gassen. Hier wurden meine Erwartungen doch recht harsch enttäuscht.

      Einziges Highlight war (aus fotografischer Sicht) der Torre Tavira, der einen schönen Ausblick auf die Stadt bietet. Natürlich war ich bei diesem Touristenmagnet nicht alleine. Zur gleichen Zeit wurden eine spanische, französische, deutsche und englische Reisegruppe durch die Ausstellung geschleust. Ihr Costa-Dampfer war von der Aussichtsplattform des Turms, 45 Meter über dem Meeresspiegel, nicht zu übersehen und überragte die umliegenden Häuser mühelos.











      Der Torre Tavira steht als höchster Wachturm der Stadt stellvertretend für den Wohlstand, den Cádiz durch den Handel mit Amerika im 18. Jahrhundert erlangte. Die Schlingel hatten damals nämlich das Handelsmonopol auf amerikanische Waren und brachten es so zu beträchtlichen Barmitteln. Erst von hier oben entdeckt man die zahlreichen anderen Wachtürme, die sich reiche Kaufleute auf ihre Häuser bauten, um die ankommenden Handelsschiffe am Horizont ausmachen zu können.







      Den Experten, die mir nun erzählen wollen, dass es in Andalusien immer heiß sei, sei gesagt: ja, aber nein! Richtig ist, dass mich im Sommer nichts dorthin verschlagen würde, wenn die Temperaturen im Inland bis auf 40 Grad ansteigen. Für Mitte September war es dennoch wärmer als üblich um diese Jahreszeit. Andererseits planscht es sich auch viel schöner im Atlantik, wenn einem richtig warm ist. Wobei planschen eigentlich das falsche Wort ist. Denn anders als im ruhigen Mittelmeer, hatten wir an der Costa de la Luz häufig eine schöne Brandung, die einem schnell die Füße weg zog. Weil es aber sehr flach ins Meer hinein ging, landete man im Zweifelsfall nur auf dem Antlitz und nicht gleich im Schlund eines Meerungeheuers.

      Abends zog es viele Urlauber und Einheimische an die Klippen und an den Strand, um sich am Sonnenuntergang zu erfreuen. Auch ich stürzte eines Abends eilig meinen Vino herunter, um das tägliche Spektakel in Bildern festzuhalten. Weil mir das Essen aber viel zu viel Freude bereitet hat, ist es bei diesem einmaligen Exkurs geblieben. Was muss die Sonne auch zur besten Essenszeit untergehen?







      Jerez de la Frontera ist vor allem für seine Autorennstrecke bekannt, wo jährlich der Große Preis von Spanien jährlich wird, sowie für den trockenen Weißwein, den Sherry. Der ADAC-Reiseführer schrieb über Jerez, dass sich die Stadt mit ihrer feudalen Architektur ausschließlich mit dem tatsächlich sehenswerten Sevilla messen müsse, nicht jedoch mit Cádiz. Nun, man sollte nicht zu viel auf das Urteil des ADAC geben...

      Das Zentrum von Jerez war zwar nett und gefiel mir besser als jenes von Cádiz, doch letztlich kann ich mit diesem teils morbiden Charme nicht viel anfangen. Dementsprechend war ich auch mehr als überrascht über die Route des Hop-On-Hop-Off-Busses, denn wirklich sehenswert fand ich das alles nicht. Die bisher schönste kleine Altstadt ist für mich immer noch das feuchte, aber farbenfrohe Santa Cruz de La Palma. Wie es dort aussieht, habe ich im Reisebericht zu La Palma festgehalten.





      Wirklich begeistert hat mich hingegen der Besuch in der Sherry-Bodega "Gonzales-Byass". Dort werden Besichtigungstouren samt anschließender Sherry-Verkostung angeboten, bei denen kein Auge trocken bleibt. Angefangen bei der Fahrt mit der Bimmelbahn übers Fabrikgelände, über die Führung durch die Lagerhallen, bis hin zur Movie-Vorführung, wo man mehr über die Geschichte und die Produktion der Erfolgsmarke "Tio Pepe" erfährt. Es wurden alle Bespaßungsregister gezogen und ich muss anerkennend sagen: mit Erfolg. So wurde es ein sehr informativer und kurzweiliger Besuch.







      In einem separaten Weinkeller lagerten zahlreiche Fässer zu Ehren spanischer und internationaler Berühmtheiten. Unweit des von Steven Spielberg signierten Fasses lagerte etwa Winston Churchill ihm sein Sherry-Bölkstoff. Die wichtigsten Fässer türmten sich jedoch am Ende des Weinkellers auf: die königlichen Weinfässer.





      Tio Pepe ist die Traditionsmarke der Kellerei und war natürlich Bestandteil der anschließenden Weinverkostung. Dieser Sherry wird aufgrund seines sehr trockenen Geschmacks auch als fino bezeichnet. Falls mir jemand aber eine Flasche zukommen lassen möchte, dann wählt doch lieber den etwas fruchtigeren Croft Sherry, der ebenfalls bei Gonzales-Byass hergestellt wird. Beide Sherry-Sorten wurden äußert großzügig eingeschenkt. Es war daher gar nicht schlecht, dass es an jenem Tag bedeckt war. Denn die Stimmung war nun, bislang noch ohne Mittagessen, schon sehr heiter. Nicht auszumalen, wie es gewesen wäre, wenn es dazu noch richtig heiß gewesen wäre.

      Wenn man schon im Süden Andalusiens ist, lohnt sich auf jeden Fall ein Besuch in Gibraltar. Das kleine Überseegebiet Großbritanniens liegt ganz im Süden von Spanien und besteht mehr oder weniger aus einem großen Felsen, auch "The Rock" genannt, den Berberaffen fest in ihrer Hand haben. Dass sich Gibraltar erheblich vom umliegenden Spanien unterscheidet, wurde schon auf dem Weg dorthin klar, als im Radio die spanische Folklore und das schnelle Dauergeplapper durch britische Sender mit internationaler Musik ersetzt wurden.

      Direkt hinter den Grenzkontrollen liegt der Flughafen von Gibraltar. Dieser zeichnet sich weniger durch nennenswerte Flugbewegungen aus, sondern vielmehr durch die vierspurige Straße, welche die Start- und Landebahn kreuzt. Das gibt es nirgendwo sonst auf der Welt.



      Die Altstadt von Gibraltar ist von zahlreichen Geschäften, Restaurants und Pubs gesäumt. Statt bröckelnder Fassaden, gibt es hier bunte Häuser und britisches Flair - nur ohne Regenwetter: rote Telefonzellen und Briefkästen, wohlklingende britische Straßennamen und Kinder in Schuluniform, die in feinstem Englisch vor sich hin philosophieren. Zugleich sind die Risikofaktoren andere. Während man in Spanien eher offene Gullideckel fürchten muss, konnte man dort in der Fußgängerzone leicht von der Rollator-Armada rüstiger Rentner überfahren werden. Es waren erstaunlich viele ältere Menschen in Gibraltar unterwegs. Ob manche Briten wohl ihre Rente dort verprassen? Wo wir gerade bei den Briten sind. Natürlich gab es genügend "Schwergewichte" mit zum Teil gruselig bunten Hemden. Doch auch das Gegenteil, den stilvoll gekleideten Briten, der selbst bei warmem Sommerwetter seinen Anzug nicht ablegt, konnten wir an manchen Stellen beobachten.







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      Viele Grüße, Sören
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    • Die eigentliche Attraktion Gibraltars ist jedoch der Affenfelsen, von dem man nicht nur die "Gibraltar-Zone" (GBZ) von oben betrachten kann, sondern auch das spanische und tunesische Festland sehen kann. Leider steht man für die Seilbahn zur Mittagszeit gut und gerne über eine Stunde an. Wohl dem, der jetzt schon etwas gegessen hat, denn oben werden Snacks nicht nur zu Apothekenpreisen verkauft, man ist auch dem Futterneid der Affen ausgesetzt. Diese kleinen drolligen Viecher schnappen einem alles aus der Hand, was nach Essen aussieht. In Einzelfällen springen sie den Besuchern auf deren Rucksäcke und nehmen sich, was sie brauchen. Dementsprechend routiniert öffnen sie auch Müsliriegelverpackungen und Plastiktüten. Also Obacht, denn mit dem Zurückgeben oder Teilen der Beute haben es die Affen nicht so. Gewisse Parallelen zum Naturell von Einzelkindern lassen sich da wohl nicht abstreiten (Anm. d. Red.: Der Autor muss es wissen).











      Was ist ein guter Pauschalurlaub ohne eine Bustour? Bustouren sind toll. Man wird den ganzen Tag durch die Gegend gefahren, erfährt deutlich mehr von der Umgebung, als wenn man auf eigene Faust unterwegs ist und kann im besten Fall auch immer mal aussteigen und selbst die Orte entdecken. Viel problematischer finde ich da eher den Umstand, mit ein paar Dutzend weiteren Touris den Tag zu verbringen. Da gibt es jene, die ununterbrochen an der Reiseleitung nörgeln, jene, die mit scheinbar belanglosen Fragen die Reiseleitung löchern und jene, welche sich quer über die Sitzreihen lehnen, um ein verspiegeltes Foto aus dem Bus machen zu können. Nicht selten schweben die Ellenbogen dabei gefährlich nahe vor dem Gesicht der Mitreisenden...





      Um nach Ronda zu kommen, entschieden wir uns also für eine solche Bustour, weil das bei dieser vergleichsweise weiten Anreise doch entspannter war. Auf dem Weg dorthin fuhren wir durch die Sierra del Pinar hoch nach Grazalema, ein weiteres "Weißes Dorf", das von den Römern gegründet und den Mauren ausgebaut wurde. Trotz einiger Stopps von Reisebussen, wirkte der Ort alles andere als überlaufen. Ganz anders sieht es wohl zur jährlichen Stier-Treibjagd aus. Im Gegensatz zum Stierlauf in Pamploma geht es hier nicht darum, vor dem Stier zu flüchten und ihm in der Arena den Rest zu geben. Vielmehr teilt sich das Dorf in zwei Gruppen auf, und jede Seite hat die Aufgabe, möglichst viele Stiere auf die gegnerische Seite zu treiben. Naja...







      Viel zu früh ging es dann schon weiter nach Ronda und damit in die Provinz Málaga. Die Stadt wurde auf einem Felsplateau in 723m Höhe errichtet; als Wahrzeichen gilt die spektakuläre Brücke über die Schlucht zur Altstadt. Bei der Ankunft am schmuddeligen Busbahnhof ahnt man davon jedoch noch nichts. Ist man auf den schmalen Bürgersteigen jedoch erfolgreich den entgegenkommenden Reisegruppen aus Wanne-Eickel und Fernost ausgewichen, beginnt die Stadt ihr hübsches Antlitz zu präsentieren.













      Das letzte Foto entstand in der alten Wassermine Rondas unter der Casa del Rey Moro. Für mich war das der größte Tourifänger der ganzen Reise. Denn der dazu beworbene botanische Garten mit Pfauen ist zu vernachlässigen. In der Wassermine kam bei mir dagegen eher das Gefühl eines feuchten Kellers auf, in dem ich meine Kameralinse vor der tropfenden Decke schützen musste. Gleichzeitig galt es, nicht auf den feuchten Stufen auszurutschen. Unten angekommen steht man schließen auf dem Grund der Schlucht. Yay. Aber jeder wie er möchte: Die Franzosen vor Ort brachten ihre Begeisterung mit einem fröhlichen "magnifique" oder "fantastique" zum Ausdruck.

      Wenig später kam der Tag der Rückreise. Er begann früh, ich glaube gegen drei Uhr morgens. Nachdem mit zwei Bussen eine Stunde lang sämtliche Hotels in der Nähe abgeklappert wurden, kamen wir nach einer weiteren Stunde Fahrt am Flughafen Jerez an. Leichter Neid breitete sich nun in mir aus, denn es musste natürlich auch der Direktflug mit Eurowings auf den Anzeigetafeln stehen. Für uns ging es stattdessen an den "BEELINE"-Schalter (Anm. d. Red.: Das ist das Rufzeichen von Brussels Airlines). Ganz entgegen meiner Erwartungen war die Flughafenmitarbeiterin sehr freundlich und konnte uns trotz unterschiedlicher Buchungsnummern als Familie einchecken, sodass wir zumindest auf dem Rückflug eine Reihe für uns hatten.

      Der Flughafen von Jerez ist bei 823.177 Passagieren in 2015 ein sehr übersichtlicher Airport. Doch im Gegensatz zu 2007 wurde der Flughafen dank EU-Fördergelder ausgebaut. Während es damals noch keinen parallelen Rollweg zur Landebahn gab und ankommende Flugzeuge auf der Piste zum Vorfeld rollen mussten, sind beide Bahnenden nun mit Rollwegen verbunden. Auch der Abflugbereich wurde erheblich aufgewertet und um einen Duty-Free-Shop ergänzt, in dem sich prima Sherry kaufen lässt... Trotz aller Modernisierungen läuft man aber glücklicherweise weiterhin übers Vorfeld zum Flugzeug.



      An Bord unserer A319 (OO-SSJ) für den Rückflug nach Brüssel, fühlte ich mich dann wie Graf Koks von der Gasanstalt. Denn Brussels Airlines hat in den vorderen Reihen eine deutlich großzügigere Bestuhlung für die Bussiness-Class-Kunden vorgesehen. Weil bei solch einem Urlaubsflug aber kaum jemand die C-Klasse bucht, gestalteten sich die nächsten zweieinhalb Stunden für uns Eco-Passagiere sehr entspannt.



      Nach der Landung und einem drängelfreiem Deboarding lagen erneut vier quälend lange Stunden Wartezeit vor uns. Zum Spotten ist das Terminal A leider nicht geeignet. Dafür fand ich die Wartebereiche an den Gates sehr gelungen, die mit zahlreichen Strom- und USB-Steckern an den Sitzbänken ausgestattet sind. Besonders zu erwähnen sind auch die Liegestühle. Hätte ich noch eine Decke gehabt, wäre ich dort fest eingeschlafen. Leider fingen aber irgendwann mein Kopf und meine Beine an zu zucken. Nach kurzem Überlegen hielt ich das für ungünstig. Noch leicht Schlaftrunken stellte ich mich daher auf die Laufbänder, wie an eine Schiffsreling, und schaute mir das Treiben an den anderen Gates an.



      Man kann übrigens auch sehr schön die zahlreichen Geschäfte im Terminal erkunden, wo es belgische Schokolade, Waffeln und das lokale Bier en masse gab. Leider war das wenigste davon bezahlbar und wir schleppten ja schon eine Buddel Sherry durch die Gegend. Als unser Weiterflug nach Hamburg endlich zum Boarding aufgerufen wurde, war das wie eine Befreiung. Irgendwann reichts dann auch mal mit dem Urlaub... Beim Abflug konnte man dann noch einen Blick auf die Brüsseler Innenstadt und Schaerbeek erhaschen - in der Bildmitte liegt der Bahnhof Gare du Nord.





      Nach einem merkwürdigen Schlenker rund um Hamburg landeten wir dann wieder auf der 15 in Fuhlsbüttel. Insgesamt war mein Eindruck von Brussels Airlines recht positiv. Der Großteil der Besatzung machte einen sehr netten Eindruck und man kann nur hoffen, dass die Integration in die Eurowings diesen Freundlichkeitsbonus nicht vernichtet.





      So schön ein Urlaub auch sein kann, noch schöner ist es doch immer wieder, wenn man zu Hause ankommt. Strand und Sonne sind ja gut und schön. Andererseits: Wo sonst strahlt der Himmel so schön grau, wie in Hamburg? Eben.

      Wer noch mehr Bilder sehen möchte, kann noch einen Blick in mein Flickr-Album riskieren.

      Ich hoffe, Euch hat mein Reisebericht aus meiner forschungsfreien Zeit gefallen. :)

      Viele Grüße
      Sören
      Viele Grüße, Sören
      AMLUH5G - Aviation and more
    • Hallo Sören,
      vielen Dank für den schönen Bericht mit den tollen Fotos. Ich war Anfang Oktober in Andalusien und habe fast die gleichen Ziele besucht wie Du, daher kam mir vieles sehr bekannt vor. Zu den Temperaturen kann ich nur sagen, dass es selbst in der ersten Oktoberwoche noch für 32°C im Schatten reichte. Erst ein Tag vor unserem Abflug Mitte Oktober fiel der erste Regen seite der ersten Mai-Woche...

      In Grazalema sind wir bei unserem Besuch zufälligerweise pünktlich zum Höhepunkt des "Bandolero Festivals" angekommen... der Sonst eher beschauliche Ort war brechend voll und die Dorfbevölkerung lief als Bandoleros verkleidet umher... war schon sehr eindrucksvoll anzusehen - aber eben auch sehr voll...

      In Gibraltar sind wir schon vormittags mit der Seilbahn auf den Berg gefahren - und brauchten überhaupt nicht anzustehen. Auch die Affen waren recht friedlich zu dieser Tageszeit. Bekannte, die etwas am gleichen Tag etwas später oben waren, berichteten aber auch von der Aggressivität der Affen ...

      Viele Grüße,
      Rainer
    • Hallo zusammen,

      vielen Dank für Eure netten Kommentare und das zahlreiche Feedback. Freut mich sehr, wenn Euch der Bericht gefällt. :)

      @Rainer: Interessant, dass Du vor kurzem ein ganz ähnliches Programm hattest. Vermutlich sind das auch die Highlights der Region, wenn man mal von Sevilla absieht. Und für die Mezquita von Córdoba ist es aus der Ecke dann leider doch zu weit, ne? Von dem Bandolero Festival hat uns die Reiseleiterin auch erzählt. Die Besucher kommen teilweise wohl von weit her, um das zu erleben. Das klang schon ganz spannend - zumal man als Urlauber ja sonst nur wenig von der spanischen Kultur wirklich mitbekommt.

      Viele Grüße
      Sören
      Viele Grüße, Sören
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